Von Eisbeinen und hartgekochten Eiern

Jacob war in der siebten Klasse, als er in den Ferien zur Intensivtherapie kam. Eigentlich klappt es in der Schule ganz gut, Jacob ist ein aufgeweckter, freundlicher Junge, sportlich und vielseitig interessiert. Nur mit dem Lesen und dem Schreiben hatte er es nicht so. Wo es ging, drückte er sich - vor allem vor dem Schreiben.

In der Intensivtherapie bekommen die Kinder immer die Aufgabe, sich ein Thema auszusuchen, zu dem sie ein Plakat gestalten. Jacob hatte keine Lust. Schreiben sollte er, bloß worüber? Eigentlich kam nur eine Sache in Frage. Seine große Leidenschaft, der Eisschnelllauf.

Je mehr Jacob sich mit dem Thema beschäftigte, umso mehr fand er heraus und die Idee für sein Plakat war geboren: Ein Rätsel sollte es sein, zum Thema Eisschnelllauf.

Und warum jetzt also Eisbein?


So entstand eins der originellsten Projekte, die man in den Fluren der Duden Institute für Lerntherapie besichtigen kann.

Wussten Sie zum Beispiel, dass in Mitteleuropa zunächst Schweinefußknochen, die mit Lederriemen an den Füßen befestigt wurden, als Gleithilfen auf dem Eis dienten? Diese Knochen erhielten so den Namen "Eisbein" - inzwischen besser bekannt als beliebtes Bayerisches Gericht.

Auch dass ein Eisschnellläufer bis zu 60 km/h schnell werden kann, erfährt man in diesem netten kleinen Rätsel.

Um all diese Dinge zusammentragen zu können, musste Jacob natürlich viel lesen. Und hat darüber erfahren, dass das auch Spaß machen kann. Dann nämlich, wenn das Thema begeistert.

Und dann kam das Ei

Gegen Ende von Jacobs Zeit in der Lerntherapie ist ein Video entstanden, das sehr schön zeigt, wie gut es nach einem Jahr mit dem Lesen klappte.

Jacob und sein Therapeut, Herr Grimme, spielen ein Rollenspiel, bei dem es um das genaue Lesen geht. Als Vorlage dient der beliebte Sketch "Das Ei ist hart" von Loriot:
Es hat den beiden sichtlich Spaß gemacht und zeigt einmal mehr, dass Lernen am besten über das gemeinsame Erleben und die Freude daran funktioniert.

"Ein Bücherwurm bin ich trotzdem nicht geworden", sagt Jacob und lacht. "Aber die vielen Tipps haben gut geholfen und in der Schule klappt es jetzt auch mit dem Lesen und Schreiben."
Und wenn ihn etwas interessiert, dann liest Jacob inzwischen sogar auch mal die Zeitung.